Rebinding History

Rumeysa Cantürk

Die Biergasse, ehemals Verbindung zur Brauerei, markiert heute einen wichtigen Zugang zur Altstadt. Sie könnte auch als Übergang ins Grüne zum Stadtbach dienen, doch aktuelle Bauten blockieren diese Verbindung. Urbane Räume, die verknüpft werden könnten, bleiben dadurch isoliert. Ein markantes Gebäude an der Biergasse bildet eine klare Raumkante, wirkt aber durch Tiefgarage, Einzelhandel und Mülleinhausungen als Barriere. Die Bebauung entlang der Gasse ist weitgehend unbewohnt und vernachlässigt. Der asphaltierte Boden, fehlende Barrierefreiheit und der Zustand der Fassaden erzeugen ein Spannungsfeld zwischen Neugier und Abschreckung. Besonders ist der Bezug zur Stadtmauer: Die Biergasse führt zum „Turm am Walpadayen“ und endet am „Historica Gewölbe“. Der angrenzende Park wird laut Bewohnern kaum genutzt. Drei Gebäude sind zwar bewohnt, aber langfristig nicht zukunftsfähig. Trotz baulicher Hindernisse durch den nördlich gelegenen Gebäuderiegel und die Kolpingstraße erfüllen beide wichtige Funktionen. Das Gebäude bietet zentrale Versorgung, die Straße ist eine relevante Verkehrsverbindung. Eine Verlegung ist daher nicht möglich. Ziel ist es, die Biergasse trotz dieser Rahmenbedingungen zu stärken. Ihr historischer Wert als letzter vollständig sichtbarer Abschnitt der Stadtmauer muss wieder erlebbar gemacht werden. Ihre Lage erlaubt es, Alt- und Innenstadt zu verbinden. Die Biergasse wird Teil eines neuen Schleifenpfads, der Stadtgeschichte, Kultur und neue Nutzungen zusammenführt. Wohnraum wird aufgelöst, Barrieren abgebaut, neue Aufenthalts- und Arbeitsräume geschaffen. Mülleinhausungen werden begrünt und belichtet. Der Park an der Stadtmauer wird aufgewertet. Der Parkplatz hinter dem Einzelhandelsbau wird zurückgebaut und als Durchgang zum Konrad-Adenauer-Platz geöffnet. Die Biergasse wird zu einem Schlüsselraum, der Alt- und Innenstadt verbindet, historische Elemente erlebbar macht und neue urbane Qualitäten schafft.